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Kind und Katastrophe

Viele Menschen haben noch die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Monate im Kopf.   Einige der furchtbaren Geschehnisse in diesem Juli wie der Terroranschlag in Nizza, der Amoklauf in München oder das Bomben-Attentat in Ansbach während eines Open-Air-Musikfestivals haben in besonderem Maße auch Kinder und Jugendliche betroffen.   Erlebnisse wie die genannten können erhebliche psychische Auswirkungen für den weiteren Lebensweg haben, dabei gelten Kinder und Jugendliche als besonders verletzlich.

Was sind die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in solchen Katastrophen und vor allem in der ersten Zeit direkt nach dem unmittelbaren Erleben von Gewalt, Tod und Bedrohung? Und vor allem: wie kann man ihnen helfen mit den Erlebnissen zurechtzukommen? Antworten auf diese Fragen soll das durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) geförderte Forschungsprojekt „Kind und Katastrophe“ (KIKAT) liefern.

Bedürfnisse von Kindern noch kaum erforscht

<q>„Zwar liegen Konzepte und Empfehlungen zur psychosozialen Versorgung von Kindern und Jugendlichen nach Notfällen und Katastrophen vor. Ihnen fehlt bisher jedoch die wissenschaftliche Absicherung. Entstanden sind sie zumeist aus der Praxis der Notfallseelsorge und der Kriseninterventionsteams der Hilfsorganisationen“</q>, sagt Dr. Jutta Helmerichs, Referatsleiterin Psychosoziales Krisenmanagement im BBK, zur Entstehung des Projektes. Außerdem beziehen sich diese Konzepte fast ausschließlich auf Individualnotfälle, die sich im Alltag ereignen. Welche Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche im sehr speziellen Fall einer Großschadenslage erforderlich sind, wurde bislang überhaupt noch nicht wissenschaftlich hinterfragt.

Das Forschungsprojekt „Kind und Katastrophe“ (KIKAT) widmet sich den aufgeworfenen Fragen mit dem Ziel, wissenschaftlich fundierte Antworten darauf zu geben, welche Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche in der akuten Phase komplexer Gefahren- und Schadenslagen hilfreich sind und vorgehalten werden können. Schon seit vielen Jahren ist die Qualitätssicherung der psychosozialen Notfallversorgung von Menschen nach Notfällen, Katastrophen und komplexen Schadenslagen ein vom BBK gefördertes Forschungsthema. Mit Kindern und Jugendlichen wird nun eine noch kaum erforschte Risikogruppe in den Blick genommen.

Expertenbefragungen und Interviews mit Betroffenen

Vergeben wurde das Anfang September 2016 gestartete Forschungsprojekt an Prof. Dr. Harald Karutz von der Medical School Hamburg (MSH), der sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Krisen und Notfallsituationen beschäftigt. Er macht deutlich: <q>„Forschungsdefizite dürfen nicht zu Versorgungsdefiziten führen, und gerade den kleinsten Betroffenen einer schwerwiegenden Notfallsituation muss eigentlich die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden!“</q>

Im Rahmen des Projektes werden deshalb die Bedarfe und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in der Akutphase komplexer Gefahren- und Schadenslagen erhoben. Gleichzeitig werden bereits vorliegende Ausbildungs- und Einsatzkonzepte im deutschen Katastrophenschutz erfasst. Außerdem wird die tatsächliche psychosoziale Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen in diesen Fällen untersucht. Nicht zuletzt wird die Rolle sozialer Medien für die Bewältigung von Unglücken, Krisen und Katastrophen für junge Menschen thematisiert.

Zur Beantwortung der Fragestellungen wird die Auswertung von Forschungsstand, Konzepten, Fortbildungsinhalten etc. ergänzt durch Expertenbefragungen sowie Interviews mit betroffenen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern. 

Zusammengefasst werden die Ergebnisse in Empfehlungen für die Einsatzorganisationen, deren Ziel und Aufgabe es ist, eine qualifizierte und angemessene psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen in komplexen Gefahren- und Schadenlagen sicherzustellen. Aus den Ergebnissen werden ebenso für die Ebene der Bundesländer und des Bundes Strategien und Konzepte für einen optimalen Versorgungsstandard für Kinder und Jugendliche in der Akutphase abgeleitet.

Gefördert wird das über drei Jahre laufende Projekt mit rund 370.000 Euro. Forschung und Entwicklung im Bevölkerungsschutz gehören zu den zentralen Aufgaben des BBK. Das Amt muss sich dabei flexibel und professionell auf veränderte Gefahrenlagen einstellen. Das BBK agiert dazu konsequent auf den relevanten Forschungsfeldern.

Das Amt ist in drei Bereichen aktiv: Bei der Auftragsforschung, wozu auch das Projekt KIKAT gehört, gibt das BBK Forschungsaufträge an Hochschulen, Forschungsinstitute und forschende Unternehmen (Ressortforschung). Inhouse-Forschung wird betrieben, wenn Forschungs- und Entwicklungsprojekte aus Haushaltsmitteln im BBK durchgeführt werden. Und bei der Drittmittelforschung beteiligt sich das Amt als Endnutzer an nationalen und europäischen Verbünden zur Sicherheitsforschung; die Mittel stammen meist aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) oder von der EU.

8. November 2016 16:09 Uhr. Alter: 2 Jahre